"Stinkefinger" und "der Einsatz seines Lebens"

Polizeidirektor Richard Diesch, Leiter der Polizeidirektion Künzelsau, eröffnete den allmonatlichen Stammtsich der MIT im Jahr 2006. Er wählte zum Einstieg ein Bild aus einer Zeitung, in dem ein Knirps zu sehen ist, der als junger Fußballfan einen "Stinkefinger" zeigt. Und schon war Herr Diesch mitten im Thema Präventionsarbeit der Polizeidirektion Künzelsau. Die Mitglieder und Gäste des allmonatlichen am ersten Dienstag im Anne-Sophie-Haus in Künzelsau stattfindenden MIT-Stammtisches waren beeindruckt von der Vielzahl der Präventionsmaßnahmen, bei der die Polizeidirektion entweder federführend beteiligt oder gestaltend mitwirkt. Sicherheit wird uns nicht geschenkt, so Richard Diesch, sondern muss von allen Menschen zusammen erzeugt werden, weshalb neben der Repression, also der Reaktion nach der Tat, die Prävention im Vordergrund steht, womit in der Zukunft liegende Störungen des Zusammenlebens vermieden werden sollen. Hierbei ist die gesamtgesellschaftliche Vernetzung notwendig. Die Polizeidirektion Künzelsau sei hier vielfältig aktiv. Die Themen reichen von der Aufklärung über die Gefahren von Tabak - Alkohol - Internetnutzung - Stalking - Video usw. bis hin zu Rechtsextremismus. Überall dort, wo Kinder, Jungendliche, Erwachsene oder Senioren angesprochen werden können, gehe man auch hin, also in Schulen, Kindergärten, Gemeindehäuser und Seniorenheime. Die Ergebnisse präventiver Maßnahmen können man leider nicht sofort messen, er wisse aber doch, wie wichtig die Aufklärung sei, um gefährdete Menschen zu erreichen. Herr Polizeidirektor Diesch zählte eine Reihe von benannten Projekten auf, die zeigten, wie wichtig es sei, dass die Polizei nicht isoliert arbeitet sondern mit allen gesellschaftlichen Kräften zusammen wirke. Hierzu zählen Schulen, die Justiz, das Jugendamt, Vereine, Gemeinden und Behörden, quasi alle gesellschaftlich relevanten Gruppen.
Der zweite Teil gehörte den dramatischen Stunden auf der Autobahn A6, die im Januar bundesweites Aufsehen erregten. Ein von seiner Frau getrennt lebender Bosnier beabsichtigte seine fünfjährige Tochter ohne Absprache mit der Mutter mit nach Bosnien zu nehmen. Bei Weinsberg fiel er einer Polizeistreife auf, die aufgrund der bundesweiten Fahndung bereits vorgewarnt war. Es folgten dramatische Minuten auf der Autobahn, mit verdeckter Verfolgung, Fahren gegen die Fahrtrichtung, organisiertes Abstoppen und nervenaufreibende Verhandlungen, nachdem der Vater drohte, seiner Tochter etwas anzutun. Er sei in der Nacht aus dem Bett geklingelt worden und übernahm, nachdem er seine Dienststelle unter widrigen Witterungsverhältnissen erreicht hatte, die Leitung und Koordination der Gesamtmaßnahmen. Mittlerweile waren die Einsatzkräfte auf ca. 100 Personen angeschwollen, das Sondereinsatzkommando Stuttgart hinzugezogen und die vorgesetzten Polizeidienststellen und Ministerien informiert. Mit der in Wesel am Niederrhein von der dortigen Polizei betreuten Mutter wurde telefoniert, Informationen ausgetauscht, die Deeskalationsmaßnahmen erörtert und Hintergründe gesammelt. Nach bangen Stunden gelang es, den Vater zur Aufgabe zu bewegen. Oberstes Ziel sei die Sicherheit des Kindes gewesen. Höchste Priorität bekam aber auch der Umstand, dass ein wie auch immer möglicherweise auf den Vater vorzunehmender Zugriff zu keiner Traumatisierung des Kindes führen dürfte. Es gelang Polizeidirektor Diesch sehr anschaulich, den enormen Druck zu beschreiben, der in einer solchen Situation auf allen Personen lagert. Beeindruckend war die Beschreibung, was alles in einer solchen Situation zu bedenken ist, welche Kräfte im Einsatz sind, welche vorgehalten werden müssen, welche Auswirkungen es hat, von der vorgesorgten Notfallversorgung bis hin zu einer Totalsperrung der Autobahn und den damit verbundenen Umleitungsaktivitäten. Es war gut gegangen und dieser Umstand machte den Gast glücklich, was ihm noch fast einen Monat danach deutlich anzumerken war. Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so gespannt waren die anwesenden MITler. Die Diskussion und Fragen wollten nicht enden. Für den MIT-Vorsitzenden Honorarkonsul Prof. Helmut Sigloch dankte Arnulf von Eyb dem Gast und bat ihn, die Gratulation der MIT für diese Aktion auch an die beteiligten Beamten seiner Dienststelle weiterzugeben. Herr Diesch wurde mit viel Beifall und der Übergabe eines Präsentes aus dem Sigloch´schen Weinkellerfundus verabschiedet.
Arnulf Freiherr von Eyb"